Obwohl im Märchen vom »Gevatter Tod« der Tod leibhaftig auftritt, kennt das Märchen den Tod eigentlich nicht. Die Helden werden zwar oft von ihren Neidern in den Tod geschickt, aber sie kommen als Verwandelte, Gereifte daraus wieder hervor. (Der Teufel mit den drei goldenen Haaren, Frau Holle) Die Mutter stirbt zwar, aber sie bleibt anwesend im Baum, der Aschenputtel mit vielen Wundergaben zum Glück verhilft. Nebenfiguren und Böse werden vernichtet, oder sie vernichten sich selbst: für die Hauptfiguren aber ist der Tod die große Verwandlung. Davon erzählen der »Froschkönig«, der »Machandelboom« und die Märchen aller Völker auf immer neue und andere Weise. Die Moral des Märchens ist das Glück (Bausinger), und das bedeutet nicht Tod, sondern Leben.
Beiträge Übersicht:
Isidor Levin Motto
Ursula Heindrichs Einführung
Otto Betz Lebensweg und Todesreise
Leander Petzhold Tod und Jenseits in Märchen und Sagen
Lutz Röhrich Die Todesauffassung in den Gattungen der Volksdichtung (Märchen, Sage, Exempel)
Heinz Rölleke Der Tod in den Märchen der Brüder Grimm
Jürgen Janning Das erste Märchen von der Unke
Felicitas Betz Tod und Wiedergeburt in einem sibirischen Märchen
Heino Gehrts Von Tod und Toten in den Urkulturen
Walter Scherf Tod und Dämonisierung im Zaubermärchen - Metapher wofür?
Rainer Wehse In siedendem Öl gegart - Die Todesstrafe im Märchen
Nelly Naumann Das verborgene Bild des Todes im japanischen Märchen
Franz Vonessen Die große Verwandlung: Sich fürchten lernen
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