»Gott kommt im Märchen nicht vor«, sagen die einen - »alle Märchen reden von Gott«, entgegnen die anderen. Solchen offensichtlichen Widerspruch versuchen die Autoren dieses Sammelbandes aufzulösen. Sie kommen dabei zu bemerkenswerten Ergebnissen für die Märchenkunde und auch zu erstaunlichen Antworten auf die Sinnfrage der Gegenwart. Wer die besondere Fähigkeit der Volkserzähler, von Gott zu schweigen oder zu reden, studiert, sieht tiefer hinein in das Wesen der Zaubermärchen und erfährt Wesentliches über Glauben und Volksglauben und über die Geschichte der religiösen Ideen. Zehn Märchenkenner fragen hier von ihren unterschiedlichen Wissenschaften aus nach »Gott im Märchen«: der Religionspädagoge Betz, der Theologiegeschichtler Thyen, der Pastoraltheologe Lange, der Literaturdidaktiker Sauer, der Romanist Karlinger, der Kirchenhistoriker Bubenheimer, der Volkskundler Moser, der historische Verhaltensforscher Nitschke, der Symbolforscher Rosenberg und der Philosoph Vonessen. Die Antworten, hier von Teilaspekten her gegeben, regen an, das Ganze des umfassenden Themas neu zu durchdenken.
Beiträge Übersicht:
Vorwort
Otto Betz Der abwesend-anwesende Gott in den Volksmärchen
Dietrich Thyen Transzendenz und Wirklichkeit in der Sicht der Märchen - Vom Sinn einer gläubigen Deutung der Welt
Günter Lange Märchen aus der Sicht eines Religionspädagogen
Paul Ludwig Sauer Gleiches und Ungleiches: Wunder und Wunderbares im Märchen und in der Bibel
Felix Karlinger Vom Austausch der Jenseitsgestalten und Wandel der Funktion in der Volksprosa
Ulrich Bubenheimer Gevatter Tod. Gott und Tod in einem religionskritischen Märchen
Dietz-Rüdiger Moser Christliche Märchen. Zur Geschichte, Sinndeutung und Funktion einiger »Kinder- und Hausmärchen« der Brüder Grimm
August Nitschke Was wissen die Märchen von Göttern? - Echo archaischer Vorzeit
Alfons Rosenberg Die Metamorphose des Göttlichen im Märchen
Franz Vonessen Das Märchen und die »Natürliche Offenbarung«
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