Es gibt wohl kaum eine spannendere Frage als die nach der Wiederkehr des Mythos. Warum erleben die mittelalterlichen Epen und die germanischen und keltischen Mythen, die ihren Stoff bilden, in der Gegenwart wie in der Romantik eine Renaissance? Was macht die Faszination des Mythos aus, dass er stets aufs neue und in neuem Gewand seine Leser, seine Zuhörer, seine Zuschauer findet? Um diese Frage näher beleuchten zu können, ist es wichtig, dass sich die Märchenfreunde für gute Fantasy-Literatur und die Freunde farbiger Fantasy für die Märchen interessieren und dadurch einen neuen Zugang zu ihrem ureigenen Genre gewinnen. Der vorliegende Band will nun die Verbindung zwischen den Genres Märchen, Mythen und Fantasy dokumentieren und das zwischen ihnen bestehende Beziehungsgeflecht ausloten. Dabei soll der Titel »Phantastische Welten« auf jene Welten hinweisen, die sich in der Phantastischen Literatur vor uns auftun: seien es die Welten des antiken und keltischen Mythos, die Märchenwelt, die utopischen Entwürfe in den Romanen zu Beginn der Neuzeit, die Visionen vom Unendlichen in der Romantik, die Zukunftswelten der Science Fiction oder die Anderswelten der Fantasy-Romane - diese Welten sind jede für sich und alle zusammen einfach phantastisch.
Beiträge Übersicht:
Vorwort
Teil I: Die Mythen
Wilhelm Solms Einfach Phantastisch Von der Wundererzählung zur Phantastischen Literatur
Franz Vonessen Phantasie als Wahrnehmungskraft Über die Wahrheit des Mythos
Felicitas Betz Von den mythischen Wurzeln her in die Zukunft blicken Ein Plädoyer für das Märchen
Erich Ackermann Von mythischen Figuren und Zauberdingen Die Wurzeln der Phantastik in der Antike
Otfried Ehrismann Von Geoffrey zu Handke Der Artus-Mythos und seine deutsche Rezeption
Teil II: Die Genres
Günter Oesterle Der Streit um das Wunderbare und phantastische in der Romantik
Helmut W. Pesch Science Fiction, Horror, Fantasy - Die modernen Genres der Phantastischen Literatur
Gisbert Kranz Tintenkleckser aus Oxford Die Anfänge der britischen Fantasy
Hans-Christian Kirsch Ausflug in die Anderswelt Ein Plädoyer für die Phantastische Literatur
- Annette Breitenfeld
Kein Feld für Fantasy Phantastische Literatur in der ehemaligen DDR
Teil III: Die Werke
Peter Marginter Ich erschaffe (M)eine Welt Zur Entstehung von »Der Baron und die Fische«
Maria Christa Maennersdoerfer Dem sanften Flöter lauschen Zu Hans Bemmanns »Stein und Flöte«
Gustav Schröder Laudatio auf Carl Amerys »Das Geheimnis der Krypta« Anlässlich der Verleihung des Phantastik-Preises der Stadt Wetzlar 1991
Niels Kappeller Fantasy-Rollenspiele, eine neue Form des Erzählens
Was ist »gute« Fantasy? Lektoren äußern sich in einer Podiumsdiskussion
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