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Die Lamien sind's, lustfeine Dirnen,

läßt kein geringerer als Johann Wolfgang Goethe seinen Mephisto im Faust 2 ausrufen. Diese Wesen der Nacht, lieblich von Angesicht und schön von Gestalt, zerstörerisch aber im Wesen, begegnen Faust und seinem unvermeidlichen Begleiter Mephistopheles in der Walpurgisnacht. Uns sind sie, als Lamaia, sich in Tiere verwandelnden Hexenwesen, bereits im alten Rom begegnet, neben der Striga ein weiteres Produkt des römischen Glaubens an Magie und Zauberei. Was für die alten Römer die Striga ist, ist für die antiken Griechen die Lamia. Und diese geistert nach wie vor durch zahlreiche Märchen, als hexenhaftes, blutsaugendes Wesen der Dunkelwelt, ohne das ihr Name uns noch viel sagt. Eigentlich aber war sie, vor sehr langer Zeit, eine betörend schöne Frau, jung, voller Neugier auf das Leben und bereit, dafür etwas einsetzen, wie viel andere junge Frauen durch alle Zeiten hindurch auch. Dazu war sie aus gutem Haus, Tochter des mächtigen Meeresgottes Poseidon und der ebenfalls schönen Libya, Namensgeberin des heutigen Libyen, die Welt stand Lamia also offen. Ihr Unglück aber war, wie so oft, die Liebe, sicher nicht die Liebe an sich, sondern die Liebe zu dem Falschen. Im Fall der Lamia war es, ebenfalls wie so oft, der Göttervater Zeus. Dieser erwiderte ihre Neigung, so, wie er es immer tat, er leerte den Kelch der schönen Blüte bis zur Neige und zog weiter, zur nächsten lockenden Blume. Lamia aber bekam einen Sohn, Akheilos, dem sie in großer Zuneigung zugetan war, wie Mütter eben ihren Kindern, und sicher hätte sie die Trennung von Zeus verschmerzt, einen anderen Liebsten gefunden und glücklich gelebt bis an ihr Ende, wäre da nicht noch Hera, des Zeus eifersüchtige Ehefrau. Diese tötete den Sohn der Lamia. Aus Trauer und Zorn über den Verlust ihres Kindes verwandelte Lamia sich, äußerlich immer noch schön, innerlich in ein hexenhaftes Wesen, welches die Kinder anderer Mütter tötet, häutet, zerstückelt, isst. In der 1680 gedruckten Iconologia Deorum heisst es: „Im Angesicht sehen sie schönen Weibs-Bildern ähnlich ... es seyen aber böse unreine Geister, sehr begierig Menschen – Fleisch zu fressen.“ Genau so begegnet sie uns in dem bulgarischen Märchen Der heilige Georg, die Lamia und die Schlange: „Zu dem Palast des Zaren führte von weit her eine Wasserleitung, an deren Quelle war eine Lamia, die nährte sich nur von Menschenfleisch.“

Ricarda Lukas


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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EMG Märchenschätze, Band 10

Märchen ohne das Böse? Undenkbar. Jeder Mensch, ob klein oder groß, liebt es, spannenden Geschichten zu lauschen. Das war früher so und es ist bis heute so - weil zu jedem Leben auch böse Erfahrungen gehören. Wenn die Märchenhelden und -heldinnen mit Bösem konfrontiert werden, sind sie unsere Stellvertreter und wir finden mit Ihnen einen Ausweg. Ist die Art wie Märchen vom Bösen erzählen zu grausam? Wie deuten und ordnen Märchen das Böse ein? Ergänzend zu dieser Sammlung von Märchen aus aller Welt zeigen uns einige Märchenkenner interessante Aspekte zu diesem Thema auf.

EMG Band 40

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Sehnsucht im Märchen.
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 40

Im September 2014 fand in Rheine zum Thema "Sehnsucht im Märchen" der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt.
Sehnsucht - ob im realen Leben oder in der Welt der Märchen - ist eine starke Triebfeder menschlichen Handelns und gibt daher oft den entscheidenden impuls für die gewaltigen Anstrengungen, die zur Bewältigung des Lebensweges notwendig sind. Darüber hinaus wohnen diesem schwer zu fassenden Begriff, der schon im Wort selbst den Bogen vom Sehnen zur Sucht schlägt, vielfältige Aspekte inne, denen die Referenten in ihren spannungsreichen Vorträgen nachgegangen sind. Diese Kongressbeiträge liegen nun in schriftlicher Form vor.
Welche Sehnsüchte müssen für ein glückliches Leben erfüllt sein? Wann schlägt Sehnsucht in Selbstsucht um? Was treibt uns mehr um: die Sehsucht nach der Heimat oder nach der Fremde oder sogar die Sehnsucht nach anderen, phantastischen Welten? Das sind nur einige der Fragen, die in den Aufsätzen ergründet werden. Dabei umfassen die Betrachtungen unterschiedliche Epochen und gewähren kenntnisreiche Einblicke in fremde Kulturen und benachbarte Disziplinen wie Literatur und Musik.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox, Christel und Thomas Bücksteeg.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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