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Ob sie ihr nicht bis auf Montag - nach der Ewigkeit - ihren See leihen wolle ...

Sich einen See auszuleihen ist eine verrückte Idee, noch dazu von einer Hexe, ihn bis in alle Ewigkeit zu behalten und dies rechtmäßig, lässt es es zu einem ebenso wagemutigen wie genialen Unternehmen werden. Lough Owel, so heißt der geborgte See heute lässt das Märchen uns wissen, liegt in Westmeath, dem Seen-Land und wird, so sich der Pakt mit der Hexe erfüllt, den Iren bis zum Montag nach der Ewigkeit erhalten bleiben. Sie verdanken ihn dem Mut einer irischen oder irländischen, wie der Sammler und Herausgeber des Märchens, Karl Knortz, sie vermutlich nennen würde, Mutter und deren Liebe zu ihrem Sohn. Ihm gewinnt sie mit der eigenwilligen Leihgabe die geliebte Frau, die nun ihre Schwiegertochter wird. Das schützende und behütende dieser Mutter zeigt sich vielleicht auch in der Art, wie sie den See transportiert. Sie nimmt ihn, vorsichtig vermutlich, in ihren Mantel und bringt ihn so sicher an seinen neuen Heimatort. Über die Hexe erfährt der Leser und Hörer nicht viel. Sie ist offensichtlich anfangs wohlmeinend, verleiht ohne Aufheben ihren wunderschönen See, lässt sich aber auch ohne große Schwierigkeiten hinters Licht führen und steht am Ende mit leeren Händen da. Die irische Mythologie bietet eine Reihe von Gestalten, die auf die eine oder andere Art unserer Vorstellung von einer Hexe entsprechen. Die Banshee, die totenbleiche "Frau aus den Hügeln", verkörpert den dunklen, den Todesaspekt. Die Tylwyth Teg, schöne, blondhaarige, aber auch verführerische Wesen erinnern an Jugend und Frühling. Die Korrigan, Wandelwesen, mal wunderschön, dann wieder abgrundtief hässlich, sollen auf die keltische Göttin Ceridwen zurückgehen, die selbst als frühe Hexengestalt gilt. Vielleicht ist unsere leichtgläubige Hexe aber auch auch eine Cailleachan, eine verhüllte Frau, Beschützerin von Seen, Flüssen, Bergen oder Inseln - zur Besitzerin eines oft in Nebel gehüllten irischen Lough wurde dies gut passen.

Ricarda Lukas


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Der Jubiläumsband unserer Märchenschätze ist da!

Das Gesicht der Völker

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Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können Märchen zum Nachdenken darüber anregen und Gemeinsamkeiten deutlich und erlebbar machen.
Für die Europäische Märchengesellschaft ist Völkerverständigung einer der wichtigsten Aspekte. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum legt sie nun diese Sammlung vor mit selten gehörten europäischen Märchen aus den ersten zwei Jahrzehnten der Gesellschaft.

EMG Band 40

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Sehnsucht im Märchen.
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 40

Im September 2014 fand in Rheine zum Thema "Sehnsucht im Märchen" der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt.
Sehnsucht - ob im realen Leben oder in der Welt der Märchen - ist eine starke Triebfeder menschlichen Handelns und gibt daher oft den entscheidenden impuls für die gewaltigen Anstrengungen, die zur Bewältigung des Lebensweges notwendig sind. Darüber hinaus wohnen diesem schwer zu fassenden Begriff, der schon im Wort selbst den Bogen vom Sehnen zur Sucht schlägt, vielfältige Aspekte inne, denen die Referenten in ihren spannungsreichen Vorträgen nachgegangen sind. Diese Kongressbeiträge liegen nun in schriftlicher Form vor.
Welche Sehnsüchte müssen für ein glückliches Leben erfüllt sein? Wann schlägt Sehnsucht in Selbstsucht um? Was treibt uns mehr um: die Sehsucht nach der Heimat oder nach der Fremde oder sogar die Sehnsucht nach anderen, phantastischen Welten? Das sind nur einige der Fragen, die in den Aufsätzen ergründet werden. Dabei umfassen die Betrachtungen unterschiedliche Epochen und gewähren kenntnisreiche Einblicke in fremde Kulturen und benachbarte Disziplinen wie Literatur und Musik.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox, Christel und Thomas Bücksteeg.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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