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„Wenns Möndel ins Körbel scheint, bind los“
geheimnisvolle Worte, fast ein Zauberspruch, welchen die Grimms der Hexe ihres Märchens Nummer 69, Jorinde und Joringel, in den Mund legen. Eine alte Frau ist sie, gelb und mager, rote Augen, krumme Nase, eine Bilderbuchhexe der Grimmschen Märchen und des 19.Jahrhundert, aber auch eine Erzzauberin. Fast wie nebenbei steht dieses Wort in einem der ersten Sätze des Märchens und legt doch einen Spur weit in die Vergangenheit zurück, dorthin, woher die Hexen kamen. In das 7. oder 8. Jh. vor Christus, nach Kleinasien, führt und diese Spur, zur alten Erd- und Sonnengöttin Hekate, der Herrin über 3 Welten, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, Unterwelt, Erde und Himmel, Geburt, Leben und Tod und vor Allem der Kreuzungen dazwischen. Schützend steht sie an den Schwellen und Übergängen des Lebens. Mit ihrer Übernahme in die griechische Mythologie aber wird sie zur dunklen und furchteinflößend Göttin der Magie und Mutter aller Hexen, zur Erzzauberin. Als deren Anführerin zog sie, furchterregend, mit Peitschen und Fackeln durch die Nacht, Wahnsinn und Alpträume verbreitend. Eine Spur davon findet sich in der Wilden Jagd, die alljährlich durch die Raunächte geistert, bis in die heutige Zeit. Symbolisch ist sie nun der Nacht und ihren Geschöpfen zugeordnet, Eulen und Katzen, Dämmerung und Dunkelheit sind ihre Attribute.
Und all das tritt uns auch in der Alten des Märchens Jorinde und Joringel entgegen, in der Dämmerung, halb stand die Sonne über dem Berg und halb war sie unter, fängt sie Jorinde, als Eule mit glühenden Augen fliegt sie des nachts umher, tief im dicken Wald verborgen lebt sie in einem alten Schloss und kündet uns aus unseren Märchen von ihrer Urahnin Hekate, von der Theokrit bereit 300 v. Chr. in den Eidyllia sang : „Mond, schein hell, leise will ich für dich singen, Göttin, für Hekate in der Unterwelt...“.

Ricarda Lukas


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Der neueste Band unser Märchenschätze ist da!

"Da machte sie einen giftigen, giftigen Apfel" Böse Märchen

EMG Märchenschätze, Band 10

Märchen ohne das Böse? Undenkbar. Jeder Mensch, ob klein oder groß, liebt es, spannenden Geschichten zu lauschen. Das war früher so und es ist bis heute so - weil zu jedem Leben auch böse Erfahrungen gehören. Wenn die Märchenhelden und -heldinnen mit Bösem konfrontiert werden, sind sie unsere Stellvertreter und wir finden mit Ihnen einen Ausweg. Ist die Art wie Märchen vom Bösen erzählen zu grausam? Wie deuten und ordnen Märchen das Böse ein? Ergänzend zu dieser Sammlung von Märchen aus aller Welt zeigen uns einige Märchenkenner interessante Aspekte zu diesem Thema auf.

EMG Band 40

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Sehnsucht im Märchen.
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 40

Im September 2014 fand in Rheine zum Thema "Sehnsucht im Märchen" der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt.
Sehnsucht - ob im realen Leben oder in der Welt der Märchen - ist eine starke Triebfeder menschlichen Handelns und gibt daher oft den entscheidenden impuls für die gewaltigen Anstrengungen, die zur Bewältigung des Lebensweges notwendig sind. Darüber hinaus wohnen diesem schwer zu fassenden Begriff, der schon im Wort selbst den Bogen vom Sehnen zur Sucht schlägt, vielfältige Aspekte inne, denen die Referenten in ihren spannungsreichen Vorträgen nachgegangen sind. Diese Kongressbeiträge liegen nun in schriftlicher Form vor.
Welche Sehnsüchte müssen für ein glückliches Leben erfüllt sein? Wann schlägt Sehnsucht in Selbstsucht um? Was treibt uns mehr um: die Sehsucht nach der Heimat oder nach der Fremde oder sogar die Sehnsucht nach anderen, phantastischen Welten? Das sind nur einige der Fragen, die in den Aufsätzen ergründet werden. Dabei umfassen die Betrachtungen unterschiedliche Epochen und gewähren kenntnisreiche Einblicke in fremde Kulturen und benachbarte Disziplinen wie Literatur und Musik.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox, Christel und Thomas Bücksteeg.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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