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Birnen reifen auf Birnen

auf Äpfel röten sich Äpfel, Trauben auf Trauben erdunkeln, und Feigen schrumpfen auf Feigen – dieses Bild ließ Homer seinen Helden Odysseus bereits vor etlichen hunderten von Jahren erschauen, und in der Tat gehören sie zu dem Prächtigsten, was die Natur hervor gebracht hat, zu den Früchten, der Erotik der Natur, die Äpfel, Trauben, Feigen, und natürlich auch die Birnen. Und so gilt dann auch der Birnbaum, Pyrus pyraster, als der Liebhaber unter den Bäumen, oft verkörpert er im Paar mit seinem Gegenüber, dem Apfel, das männliche Prinzip, in dem einem oder anderen Zusammenhang wird er aber auch mit Weiblichen assoziiert. So war die Birne im antiken Griechenland der Göttin Hera geweiht, der Schwester und Gattin des Zeus und Beschützerin der Ehe, der römische Mythos erzählt von der besonderen Verbindung der schönen Pomona zum Birnbaum. Dieser weibliche Geist im Birnbaum ließ sicher auch die Helden des grimmschen Märchens Die weiße Taube und des rumänischen Märchens Der Birnbaum, welcher zum Himmel hinausgewachsen ihre Liebsten im Birnbaum finden. Birnbäume gelten dementsprechend als liebevoll und ausgleichend. In ihrer Verbindung zum Mond werden der Birne kühlende und entgiftende Eigenschaften zugeschrieben, Zentrierung und Konzentrierung soll sie ermöglichen. Auf jeden Fall aber wirken ihre an Flavonoiden, Mineralien und Gerbstoffen reichen Früchte nährend und reinigend und dies auf süß-saftige Weise. Was sicher der Grund dafür ist, dass die Birne uns Menschen schon lange als Nahrungsmittel dient, wilde Birnen wurden bereits in der Steinzeit verzehrt, Griechen und Römer veredelten den Birnbaum, schon damals waren über 40 Kultursorten bekannt, heute sind es an die 5.000 Sorten. Eine davon sättigte im grimmschen Märchen Das Mädchen ohne Hände das in Not geratene Mädchen und im türkischen Märchen Der Bauer und der Sultan Mahmut erfrischt sie den unter dem Baum rastenden Sultan Mahmut, was eine Reihe von Verwicklungen nach sich zog. Es war einmal ein Mann, der hatte einen Birnbaum, von dem er jedes Jahr vier Körbe voll Birnen erntete. ... (Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichung

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

BergWelt in Märchen, Sagen und Geschichten

EMG Schriftenreihe, Band 38

Im vorliegenden Sammelband finden sich die Vorträge des Kongresses der Europäischen Märchengesellschaft e.V von 2012. Dieser Kongress wurde unter der Leitung der Schweizerischen Märchengesellschaft in Valbella/Lenzerheide in der Schweiz durchgeführt. Passend zum Tagungsort stand er unter dem Motto "BergWelt in Märchen, Sagen und Geschichten", so auch der Titel dieses Bandes. Die Schweizer Prägung der Veranstaltung spiegelt sich - dem roten Faden der Ausrichterin Caroline Capiaghi folgend - in den Referaten wider, angefangen von der literarischen Verarbeitung über biblische Geschichten, Märchen und Sagen, wobei letztere ein großes Gewicht haben, bis hin zu aktuellen umweltpolitischen Überlegungen. Die Bedeutung der Berge und der Bergwelten für den Menschen sowie deren Darstellung in den tradierten Märchen und Sagen wird dabei durch unterschiedliche Sichtweisen beleuchtet. Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox, Caroline Capiaghi und Sabine Lutkat.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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