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"Geht ins Gemach und saget, daß der Bräutigam gekommen!"

Bräutigam ist Siä, jung, schön, klug, die Braut, die er nun angetraut bekommt, trägt, wie wohl ebenfalls jung und unvergleichlich schön, das Grün bereits im Namen. Sie ist eine Froschprinzessin, ein amphibisches Wesen mit grüner Haut. Frösche, Kröten, grüne Tiere leben an Übergängen, vom Wasser zum Land, von einer Lebensphase in die andere, symbolisch gesehen stehen sie für die Wandlungsfähigkeit des Menschen. So wandelt sich auch das Leben von Siä und seinem Froschtöchterlein, aus Knabe und Mädchen werden Frau und Mann. Das Entwicklungs- und Wandlungsmotiv zieht sich durch das gesamte chinesische Märchen, welches sich eher wie ein moderner Eheroman liest. Die verwöhnte Tochter aus reichem Haus und der sehr auf sich selbst bezogene junge Mann sind noch nicht reif für die Ehe, auch dafür steht der grüne Frosch, für Unreifes, Anfängliches, noch Undifferenziertes. Und so zieht sich ihre Beziehung von Krise zu Krise, Beide lernen mit sich und dem Anderen auszukommen, entdecken ihre Liebe füreinander. Schritt für Schritt lässt das chinesische Märchen den Leser diese Entwicklung miterleben, im Gegensatz zum deutschen Märchen vom Froschkönig, wo sich die Wandlung durch eine spontane Tat, den Wurf an die Wand vollzieht. Asiatischen Märchen ist Erziehung, europäischen Märchen der Einbruch oder Durchbruch einer verändernden, grünen Kraft wichtig. Daher landet der Frosch in japanischen Übersetzungen des Froschkönig auch nicht an der Wand, sondern die "Tochter des Königs ...legte den Frosch in eine Ecke ihres Bettes. Kaum hatte sie das getan, da geschah ein Wunder ... Als sie die Bettdecke zart über ihn legte, blitzten goldene Strahlen und ein schöner Königssohn stand neben ihr." (nach Yoshiko Noguchi,  Rezeption der Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm in Japan). In all der Zeit, die dabei vergeht, gehen grüne Frösche in Haus und Hof von Siä und der Froschprinzessin ein - und aus, Tiere, die den großen Liebes - und Fruchtbarkeitsgöttinnen zugeordnete sind, der Aphrodite, Isis, Heqet. Und so trägt auch hier die Liebe am Ende grüne Frucht, zwei Kinder werden geboren. "Und zwei Söhne auf einmal konnte der glückliche Vater herzen. ... Die Familie Siä hat eine große Nachkommenschaft. Die Leute nennen sie Froschmännchen. Nahestehende wagen nicht den Namen zu brauchen, aber Fernerstehende rufen‘s ihnen nach."

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Jubiläumsband unserer Märchenschätze ist da!

Das Gesicht der Völker

EMG Märchenschätze, Jubiläumsband

Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können Märchen zum Nachdenken darüber anregen und Gemeinsamkeiten deutlich und erlebbar machen.
Für die Europäische Märchengesellschaft ist Völkerverständigung einer der wichtigsten Aspekte. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum legt sie nun diese Sammlung vor mit selten gehörten europäischen Märchen aus den ersten zwei Jahrzehnten der Gesellschaft.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Das Böse.
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 41

Im Mai 2015 fand in Binz (Prora) auf der Insel Rügen der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt. Er widmete sich dem großen Thema "'Da macht sie einen giftigen, giftigen Apfel...'. Wie Märchen, Philosophie und Religion das Böse deuten".
Der Ort war bewußt gewählt, denn es ging bei der Beschäftigung mit dem Bösen durchaus nicht nur um einen akademischen Diskurs, sondern auch um konkrete Erfahrung der jüngsten deutschen Geschichte und unserer Gegenwart.
Märchen sind oft wegen ihrer angeblichen Neigung zur Gewalt gescholten worden. Aber Märchen erzählen vom Bösen, weil das Leben Böses bereithält. Und wie Religion und Philosophie bieten Märchen Deutungen und stellen Lösungsmodelle vor.
In den Beiträgen der Märchenforscher gerade zu diesem Thema wurde deutlich, welche Ressourcen die Märchen bereithalten. Menschen wollen vom Bösen erzählen - um vorbereitet zu sein, um Gespenstern Namen geben zu können, um Strategien für den Kampf gegen das Böse zu entwickeln, um sich ihrer Entscheidung für das Gute zu vergewissern. Deshalb sind Märchen immer schon und immer noch ausgezeichnet für die Auseinandersetzung mit dem Bösen geeignet.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Angelika B. Hirsch.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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