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„Es war aber alles vergebens,

und so musste er sich endlich entschließen, seine liebste Tochter dem hässlichen Frosch zu verloben.“ Der Kaufmann aus dem Märchen Der verwunschene Frosch, ebenfalls ein Märchen des Typs ATU 425C, war eigentlich ausgezogen, das Schöne zu finden, schimmernde Seide, filigrane Federn, Anmut und Duft der Rosen. Und dies alles in vielfältiger Form, nicht einfach, nein, jeweils von dreierlei Art sollten die Dinge sein. Es sind große Erwartungen, erhebliche Ansprüche, die der Kaufmann, der liebende Vater dreier Töchter, auch diese offensichtlich vielfältig in ihrer Art, mitnimmt auf seine Reise. Anfangs scheint alles gut zu gehen, die schönen, ansprüchlichen Sachen sind leicht zu beschaffen, Kleid und Hut sind bald fertig und von seltener Pracht. Nur mit der Rose für die jüngste und liebste Tochter will es nicht klappen, der Kaufman muss viel aufwenden und als sich die große Mühe zu lohnen scheint, die Rose gefunden ist, steht er dem Hässlichen gegenüber, ein großer Frosch stiert ihn mit Glotzaugen an. Als Hässlich wird oft das empfunden, was fremd und unvertraut ist, in diesem Sinne als unheimlich und oft auch feindlich erlebt wird. Damit steht es im Gegensatz zu dem als anheimelnd, vertraut und gewohnt erlebten. So geht es auch dem Kaufmann, er ist weit von seiner Heimat, dem Vertrauten, weg in die Fremde gereist und begegnet dort etwas Fremden und Unheimlichen. „Ein gefühl des widerwillens erregend, unlieblich, namentlich von körperlicher gestalt eines menschen“ schrieben die Brüder Grimm in ihrem Deutschen Wörterbuch über die Hässlichkeit und genau diesen Widerwillen erregt der Frosch auch bei dem Vater der schönen Tochter, letztlich dann auch bei dieser. Mit Händen und Füßen wehren sich beide gegen die Begegnung mit dem unheimlichen Frosch und dies ist nicht verwunderlich, reißt das Hässliche, Unheimliche doch den Menschen aus Alltag, Gewohnheit, Idealisierung, konfrontiert ihn mit einer anderen Wirklichkeit und zwingt ihn so zu Veränderung. Dies aber fällt Menschen und mitunter auch Märchenhelden schwer. Im Märchen ist es nun aber so, dass der Held seinen Weg gehen muss und so gelangt auch die Jüngste und Schönste in das Schloss des Ungeheuers. Nach und nach erobert dieses das Herz der Schönen, die Brücke dazu ist in diesem Märchen, wie auch im Eselein, die Musik, den mit seinen süssen Liedern hatte der Frosch ihr Herz gerührt und erscheint nun immer weniger hässlich. „Obgleich seiner Form nach mißfällig, kann der häßliche Gegenstand doch in andern Hinsichten Interesse einflößen: z. B. (durch) den sichtbare Widerstreit zwischen dem abstoßenden Äußern und dem anziehenden, ja fesselnden Innern“ so Meyers Konversationslexikon 1895. Oder, anders ausgedrückt, es ist etwas Verbindendes, Gemeinsames entstanden und es hilft beiden, entsprechend der kathartischen Wirkung, die Aristoteles dem Hässlichen zuspricht, ein Stück weiter zu kommen. Die Schöne findet aus ihrem Elternhaus hinaus in ein eigenes Lebensumfeld, das Tier wandelt seine abstoßende und fremde Gestalt in eine angenehme und annehmbare. Worauf sie beide lange und glücklich miteinander leben, wie es sich für ein Märchen gehört.

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der neueste Band unser Märchenschätze ist da!

"Aller Anfang ist Sehnsucht" Märchen von der Sehnsucht

EMG Märchenschätze, Band 9

Wie oft ist die Sehnsucht Impulsgeber menschlichen Handels? Märchen aus aller Welt erzählen auf fesselnde Weise von diesem Verlangen, das uns Menschen zu ungeheuren Anstrengungen beflügelt.
Manchmal sind es Kleinigkeiten, die das Feuer in uns entfachen: der klang einer Stimme oder der Anblick eines Menschen; manchmal sind es aber auch existenbtielle Bedürfnisse, wie der Wunsch nach Gemeinschaft, nach Liebe oder nach einem besseren Leben. Solche Geschichten gehen buchstäblich unter die Haut.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Vom Geben und Vergeben im Alter. Kinder brauchen Märchen!

EMG Schriftenreihe, Band 39

Neue Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen, die bei dem Kongress in Bad Brückenau im Mai 2013 und der Fachtagung im Herbst 2013 in Mülheim referiert wurden, liegen uns in diesem Sammelband vor.
Ständig stellt das Leben an uns Menschen Aufgaben und fordert uns heraus. Bei der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen, hin zur Lebensmitte und weiter zum reigen Alter verändern sich Beziehungen, Besitzstände und die Sicht auf Werte, inbegriffen der Fokus auf das, was gerade am wichtigsten erscheint.
An den Übergängen, besonders zur letzten Lebensphase hin, tauchen Fragen auf: Wem will ich etwas von mir geben, wann und wie? In den Märchen versprechen die Könige dem Helden Königstochter und gar noch das halbe Reich. Wie aber geht es dann weiter mit den alten Königen? Es lohnt sich zu hören, was uns die Märchen zum Thema "Geben im Alter" erzählen, auch wie vormals mit Alter und den Alten umgegangen wurde.
Gleichzeitig interessiert, was die alten Mären heutigen Kindern zu geben vermögen. Was können Märchen in der erziehung der nachwachsenden Deneration leisten, wie nachhaltig ist ihr Einsatz? Und können Märchen helfen, zu Religiosität zu finden?
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox, Ricarda Lukas und Sabine Lutkat.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

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Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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