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„Dabei war ein Garten, in dem war es halb Sommer und halb Winter, ...“

Ein junge Frau wünscht sich eine Rose im Winter und ihr Vater, der um die Schwierigkeit oder Unmöglichkeit der Erfüllung dieses Wunsches weiß, verspricht dennoch, die Rose zu bringen. Ist die junge Frau doch die jüngste und schönste seiner Töchter und der Vater kennt ihre Liebe zu Blumen. Wie nicht anders zu erwarten, kann der Wunsch der Tochter innerhalb der realen Welt, im Diesseits, nicht erfüllt werden, in den Wintergärten, die der Kaufmann aufsucht, wachsen und blühen keine Rosen. Was aber in dieser Welt nicht zu haben ist, findet sich vielleicht in der anderen Welt. Der Kaufmann, der, aus Liebe zu seiner Tochter, mit seiner Suche nicht aufgibt, gerät in die jenseitige Welt, in einen Garten, in dem es halb Sommer und halb Winter ist, auf der einen Seite blühen und die Rosen, auf der anderen Seite aber ist alles kahl. Der Garten ist das kleine Paradies des Menschen, Natur und Kultur gleichzeitig, eine Erinnerung an die frühe Verbundenheit des Menschen mit der Erde, den Bäumen und Pflanzen. Gärten sind Orte des Pflanzens, Hegens, Wachsens, Gedeihens und Erntens und so auch stets mit den Mutter- und Erdgöttinnen verbunden. Umschlossen durch Hecken, Zäune, Mauern stellen sie schützende Orte für Reifung, Wandlung und Begegnung dar, so, wie man hinein geht, kommt man nicht wieder hinaus. Und ist die große Natur allgemein, so ist der Garten individuell, ein spezieller Ort für einen speziellen Menschen. Diese Erfahrung macht auch der Kaufmann, der in einen solchen Bereich eines Anderen ungebeten eindringt, schaut, was er nicht sehen sollte, nimmt, was ihm nicht gehört und damit seinem eigenen Leben eine grundlegende Wendung gibt. Im Garten des schwarzen Tieres ist Sommer und Winter zur gleichen Zeit, wie im Paradies, Urbild des Gartens, existiert die Welt noch ungeteilt. Erst das Hinzukommen der Seele, des Weiblichen, zum Körperlichen, Männlichen, scheidet die Dinge, holt sie aus dem paradiesischen Urzustand heraus und macht, das ist Winter oder Sommer, in dem Garten, in dem Zwei leben, die ebenfalls unterschieden sind, Mann und Frau, und doch miteinander verbunden.  Schreiben doch bereits die Brüder Grimm in den Anmerkungen zu dem Märchen Nummer 68, welches nur in der Auflage von 1812 enthalten ist, dass es "eigentlich die Fabel von der Psyche" sei.

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der neueste Band unser Märchenschätze ist da!

"Aller Anfang ist Sehnsucht" Märchen von der Sehnsucht

EMG Märchenschätze, Band 9

Wie oft ist die Sehnsucht Impulsgeber menschlichen Handels? Märchen aus aller Welt erzählen auf fesselnde Weise von diesem Verlangen, das uns Menschen zu ungeheuren Anstrengungen beflügelt.
Manchmal sind es Kleinigkeiten, die das Feuer in uns entfachen: der klang einer Stimme oder der Anblick eines Menschen; manchmal sind es aber auch existenbtielle Bedürfnisse, wie der Wunsch nach Gemeinschaft, nach Liebe oder nach einem besseren Leben. Solche Geschichten gehen buchstäblich unter die Haut.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Vom Geben und Vergeben im Alter. Kinder brauchen Märchen!

EMG Schriftenreihe, Band 39

Neue Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen, die bei dem Kongress in Bad Brückenau im Mai 2013 und der Fachtagung im Herbst 2013 in Mülheim referiert wurden, liegen uns in diesem Sammelband vor.
Ständig stellt das Leben an uns Menschen Aufgaben und fordert uns heraus. Bei der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen, hin zur Lebensmitte und weiter zum reigen Alter verändern sich Beziehungen, Besitzstände und die Sicht auf Werte, inbegriffen der Fokus auf das, was gerade am wichtigsten erscheint.
An den Übergängen, besonders zur letzten Lebensphase hin, tauchen Fragen auf: Wem will ich etwas von mir geben, wann und wie? In den Märchen versprechen die Könige dem Helden Königstochter und gar noch das halbe Reich. Wie aber geht es dann weiter mit den alten Königen? Es lohnt sich zu hören, was uns die Märchen zum Thema "Geben im Alter" erzählen, auch wie vormals mit Alter und den Alten umgegangen wurde.
Gleichzeitig interessiert, was die alten Mären heutigen Kindern zu geben vermögen. Was können Märchen in der erziehung der nachwachsenden Deneration leisten, wie nachhaltig ist ihr Einsatz? Und können Märchen helfen, zu Religiosität zu finden?
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox, Ricarda Lukas und Sabine Lutkat.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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