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„die eine war hässlich und garstig und hatte schwarze Blätter, die andere aber war so hell und schön, ...“

Das norwegische Märchen Zottelhaube aus der Sammlung der deutschen Germanistin Klara Stroebe beschreibt Gegensätze, hell und dunkel, hässlich und lieblich, sanft und wild. Auch in diesem Märchen sind Zwillinge die Hauptfiguren, Zottelhaube, hässlich und garstig, mit einem Rührlöffel in der Hand auf einem Bock reitend, und ihre namenlose Schwester, schön und lieblich. Die beiden Mädchen stellen Gegensätze dar, sie verkörpern zwei Seiten der menschlichen Natur, ein sanftes, passives, alles geschehen lassende und ein wildes, aktives, alles gestaltendes Prinzip. Ein Mädchen erscheint wie ein zweites Ich des anderen Mädchen, ihre Wesen greifen ergänzend in einander und bilden nur zusammen eine Ganzheit, was im Märchen durch beider Unzertrennlichkeit beschriebe wird. „und sie waren durchaus nicht zu trennen.“ Während der Leser von der einen Prinzessin, der schönen, namenlosen, wenig erfährt, offensichtlich gibt es über sie nicht viel zu erzählen, nicht einmal ihren Namen, bestimmt die andere, hässliche, ganz das Geschehen. Ständig in Abenteuer verwickelt, treibt sie, tatkräftig mit dem Löffel in alles dreinfahrend, die Geschichte und damit die Entwicklung der beiden Mädchen voran. Fast kann man sich die Schöne als den Teil eines Menschen vorstellen, der ein gutes Bild abgeben möchte, sich stetig mit Eifer den täglichen Gegebenheiten anpasst und schaut, dass alle sich wohlfühlen. Die andere, wilde aber ist der Teil, der unentwegt auf Abenteuer ist, dabei Unannehmlichkeiten und Umstände verursacht, aber auch verantwortlich ist für die Geschichten, die man sich von diesen Menschen erzählt und die Erinnerungen an ihn, die im Gedächtnis bleiben. Das Märchen endet in einer Doppelhochzeit, einer mythologisch bedeutsamen Viererkonstellation, der Quaternität. Ein Bild von großer Harmonie teilt sich dabei mit, die beiden Schwestern und ihre neu hinzu gekommenen männlichen Erweiterungen sind wohl gegensätzlich, aber nicht feindlich, und entfalten erst im Miteinander ihre ganze Schönheit. „So feierten sie Hochzeit schön und lange, ...“

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Jubiläumsband unserer Märchenschätze ist da!

Das Gesicht der Völker

EMG Märchenschätze, Jubiläumsband

Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können Märchen zum Nachdenken darüber anregen und Gemeinsamkeiten deutlich und erlebbar machen.
Für die Europäische Märchengesellschaft ist Völkerverständigung einer der wichtigsten Aspekte. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum legt sie nun diese Sammlung vor mit selten gehörten europäischen Märchen aus den ersten zwei Jahrzehnten der Gesellschaft.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Macht und Ohnmacht
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 42

Der Jahreskongress der Europäischen Märchengesellschaft e.V. fand 2016 in Würzburg in Zusammenarbeit mit der Domschule Würzburg, Akademie des Bistums, zu dem Thema "Macht und Ohnmacht - Erfahrungen im Märchen und im Leben" statt. In diesem Band sind die Vorträge des Kongresses versammelt.
Was ist Macht, was macht Macht mit uns? Wie sieht es mit der Ohnmacht aus? Ist sie das Gegenteil von Macht, was macht sie mit uns und wie kommen wir aus Ohnmachtserfahrungen wieder heraus? Fragen, die unter anderem in den Referaten erörtert werden. Macht- und Ohnmachtserfahrungen sind ständige Begleiter in unserem Leben, in wichtigen Momenten ebenso wie im Alltäglichen, sowohl auf persönlicher und individueller als auch auf gesellschaftlicher und sozialer Ebene. Erfahrungen von Ohnmacht und Macht hat jeder, und zwar in beiden Bereichen. Weil diese so selbstverständlich zu unserem Leben gehören, spiegeln sie sich auch in den Volksmärchen wider. Gerade mit ihren Bildern und Symbolen greifen Märchen die grundsätzlichen menschlichen Erfahrungen auf, so können sie angeschaut und gedeutet werden. Märchen können helfen, eigene Erfahrungen einzuordnen.
Ein Achtergewicht bildet der Aufsatz über Max Lüthi, der vor 25 Jahren verstorben ist.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Sabine Lutkat.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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