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"Da hörte die böse alte Hexe Baba Jaga von dem glücklichen Fischerjungen ..."

Die Baba Jaga, eine eigentlich komplexe Gestalt der slawischen Mythologie, wird in den uns bekannten Märchen nahezu durchgehend mit der Hexe gleichgesetzt.Als Hexe wohnt die Baba Jaga in einem Haus auf Hühnerbeinen, welches von einem Zaun aus Knochen und Menschenschädeln umgeben ist. Da sah sie von weitem eine Hütte, die auf zwei Hühnerbeinen stand und sich auf ihnen drehte. Drinnen saß die Hexe Baba Jaga und spann den Flachs heißt es im russischen Märchen Wilde Schwäne. Verlässt sie ihr Häuschen, so fliegt sie, standesgemäß, auf dem Ofen, oder in einem Mörser, welchen sie mit dem Stößel lenkt und gleichzeitig mit dem Besen ihre Spuren verwischt. Im russischen Märchen Filipka wird, wie oft in den slawischen Märchensammlungen des 19. Jh. die Baba Jaga genauso dargestellt, als hässliche Alte, die Menschen Schaden zufügt. Jedoch schon der Name der "Beerenmutter", Baba Jaga, zeigt eine viel weitreichendere Verwurzelung in Zeit und Raum auf. Mit der Natur ist die Alte verbunden, eine Kräuterkundige und Heilerin steckt in ihr, ebenso herrscht sie souverän über die Phasen des Lebens. Sie gilt als Herrin über Leben und Tod und Hüterin der Schwelle. In der Gestalt der Baba Jaga sind Spuren alter Natur - und Schicksalsgöttinnen zu finden, der weiße, der rote, der schwarze Begleiter, wie sie in Wassilisa, die Wunderschöne (Afanasjew) auftreten, verweisen auf die Verbindung der Baba zu Morgen, Mittag und Abend des Lebens. Wer zu ihr geht, betritt eine Welt zwischen den Welten, ob und wie er aus dieser Welt wieder heraus kommt, hängt davon ab, wie er sich zur Baba Jaga stellt. So wie sich das das Häuschen auf Hühnerbeinen nur auf die richtige Ansprache hin umdreht und öffnet, so gibt es Gabe und Rat der Baba Jaga, der Alten im Wald, nur für rechtes Fühlen, Denken, Handeln.

Dreimal rief Wanja mit lauter Stimme die Baba-Jaga. Beim ersten Mal rührte sich nichts; beim zweiten Mal fegte ein Windstoß über das Moor und der Himmel verfinsterte sich; beim dritten Mal kam die Hexe auf ihrem Ofen herangeprescht, unter Blitz und Donner: krummnasig, schiefmäulig, klapperdürr wie ein Totengerippe, mit fliegenden Röcken und wirr um den Schädel flatterndem Haar.“ (Otfried Preussler)

Ricarda Lukas


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Märchen ohne das Böse? Undenkbar. Jeder Mensch, ob klein oder groß, liebt es, spannenden Geschichten zu lauschen. Das war früher so und es ist bis heute so - weil zu jedem Leben auch böse Erfahrungen gehören. Wenn die Märchenhelden und -heldinnen mit Bösem konfrontiert werden, sind sie unsere Stellvertreter und wir finden mit Ihnen einen Ausweg. Ist die Art wie Märchen vom Bösen erzählen zu grausam? Wie deuten und ordnen Märchen das Böse ein? Ergänzend zu dieser Sammlung von Märchen aus aller Welt zeigen uns einige Märchenkenner interessante Aspekte zu diesem Thema auf.

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Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 40

Im September 2014 fand in Rheine zum Thema "Sehnsucht im Märchen" der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt.
Sehnsucht - ob im realen Leben oder in der Welt der Märchen - ist eine starke Triebfeder menschlichen Handelns und gibt daher oft den entscheidenden impuls für die gewaltigen Anstrengungen, die zur Bewältigung des Lebensweges notwendig sind. Darüber hinaus wohnen diesem schwer zu fassenden Begriff, der schon im Wort selbst den Bogen vom Sehnen zur Sucht schlägt, vielfältige Aspekte inne, denen die Referenten in ihren spannungsreichen Vorträgen nachgegangen sind. Diese Kongressbeiträge liegen nun in schriftlicher Form vor.
Welche Sehnsüchte müssen für ein glückliches Leben erfüllt sein? Wann schlägt Sehnsucht in Selbstsucht um? Was treibt uns mehr um: die Sehsucht nach der Heimat oder nach der Fremde oder sogar die Sehnsucht nach anderen, phantastischen Welten? Das sind nur einige der Fragen, die in den Aufsätzen ergründet werden. Dabei umfassen die Betrachtungen unterschiedliche Epochen und gewähren kenntnisreiche Einblicke in fremde Kulturen und benachbarte Disziplinen wie Literatur und Musik.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox, Christel und Thomas Bücksteeg.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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