header_start_900px_neu

schriftrolle

Der Hauch meines Mundes macht Berge und Täler grün ...

Im Grenzbereich zwischen Weiß und Grün, Winter und Frühling, erstarrter und erwachender Welt, siedelt das Märchen aus Nordamerika, der Winter hat seine Kraft noch nicht völlig eingebüßt, der Frühling sich noch nicht ganz durchgesetzt. Die abnehmende Macht des Winters, durch den greisen und vergehenden Alten verkörpert, ist immer noch in der Lage, die Welt erstarren zu lassen und Leben zu vertreiben. Zunehmend aber setzt sich der Frühling durch, poetisch verkörpert durch einen Jüngling voll Jugendfülle und Jugendkraft; mit funkelnden Augen, die Stirn mit einem lieblicher Kranz von frischem Waldgras geschmückt. Das Leben kehrt zurück, die Welt füllt sich mit Grün, sprießenden Pflanzen, Knospen, Vogelgezwitscher und murmelnden Wassern. Grünkraft, Viriditas, nannte Hildegard von Bingen die geheimnisvolle Kraft, in der sie die Grundlage für die Entfaltung allen Lebens sah. Jeden April ist das Wechselspiel dieser Kräfte hautnah zu erleben.
Die Sonne geht auf und verbreitete eine angenehme Wärme, Rotkehlchen und Blaumeise singen, die Flüsse erwachen aus ihrer winterlichen Erstarrung, Blumen und Kräuter schießen lustig aus der weichen Erde empor.
Mit der Natur erwacht auch im Menschen die Lebenskraft neu, festlich wird das Erleben von Auferstehung, Rückkehr und Wiedergeburt begangen, Licht und Wärme, Fruchtbarkeit und Wachstum prägen nun zunehmend das Geschehen. Symbolisch steht dafür die Jugend, in dem nordamerikanischen Märchen wird sie durch einen anmutigen, leichtfüßigen Jüngling, in den europäischen Märchen und Mythen durch jugendlichen Göttinnen verkörpert. Flora, die römische Göttin der Blüten, lässt der Dichter Ovid folgende Worte sagen:
„...während sie sprach, haucht sie Frühlingsrosen aus ihrem Munde: Chloris war ich, die ich Flora genannt werde. .. Stets genieße ich den Frühling, stets ist üppig blühend die Jahreszeit, die Bäume haben Laub und Nahrung stets der Erdboden.“

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

Besuchen Sie auch unseren Online-Shop (nur für Mitglieder, Nicht-Mitglieder erhalten unsere Bücher beim Online-Shop Königsfurt-Urania Verlag)!

Neue Veröffentlichungen

emg jubilaeumsband 2016 150px

...zum Shop

 

Der Jubiläumsband unserer Märchenschätze ist da!

Das Gesicht der Völker

EMG Märchenschätze, Jubiläumsband

Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können Märchen zum Nachdenken darüber anregen und Gemeinsamkeiten deutlich und erlebbar machen.
Für die Europäische Märchengesellschaft ist Völkerverständigung einer der wichtigsten Aspekte. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum legt sie nun diese Sammlung vor mit selten gehörten europäischen Märchen aus den ersten zwei Jahrzehnten der Gesellschaft.

maerchen emg band 41 150px

...zum Shop

Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Das Böse.
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 41

Im Mai 2015 fand in Binz (Prora) auf der Insel Rügen der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt. Er widmete sich dem großen Thema "'Da macht sie einen giftigen, giftigen Apfel...'. Wie Märchen, Philosophie und Religion das Böse deuten".
Der Ort war bewußt gewählt, denn es ging bei der Beschäftigung mit dem Bösen durchaus nicht nur um einen akademischen Diskurs, sondern auch um konkrete Erfahrung der jüngsten deutschen Geschichte und unserer Gegenwart.
Märchen sind oft wegen ihrer angeblichen Neigung zur Gewalt gescholten worden. Aber Märchen erzählen vom Bösen, weil das Leben Böses bereithält. Und wie Religion und Philosophie bieten Märchen Deutungen und stellen Lösungsmodelle vor.
In den Beiträgen der Märchenforscher gerade zu diesem Thema wurde deutlich, welche Ressourcen die Märchen bereithalten. Menschen wollen vom Bösen erzählen - um vorbereitet zu sein, um Gespenstern Namen geben zu können, um Strategien für den Kampf gegen das Böse zu entwickeln, um sich ihrer Entscheidung für das Gute zu vergewissern. Deshalb sind Märchen immer schon und immer noch ausgezeichnet für die Auseinandersetzung mit dem Bösen geeignet.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Angelika B. Hirsch.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!