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…. geliebt von den Welschen und Lateinern, von den Einheimischen als Fremdling begafft, - Ein schöner, merkwürdiger Baum!" (H. Hesse, Narziss und Goldmund)

Da nicht bekannt ist, aus welcher Art von Kastanie der tapfere Königssohn des sizilianischen Märchens seine allerschönsten Rüstungen zieht, so seien sie beide vorgestellt, die Edle und die Gewöhnliche. Die Edelkastanie, Castanea sativa, spendet im Herbst wohlschmeckende, glänzend braune, nussige Früchte, welche frisch oder getrocknet, roh, gekocht, geröstet, als Mehl verspeist werden. Aus Maroni werden köstliche Glacés und Cremes, aber auch Gnocchi, Pasta, Brot, Polenta und Gebäck hergestellt. Folgerichtig wurde die Bezeichnung Kastanie aus dem althochdeutschen und dem mittelhochdeutschen Wort für Frucht, chestinna und kestene, entwickelt. Die Rosskastanie, Aesculus hippocastanum, ihr als gewöhnlich eingestufter Namensvetter, trägt zwar im Herbst ebenfalls prächtige braune Früchte, diese munden aber allenfalls Pferden, daher auch ihr Name Rosskastanie. Einer solch gewöhnlichen Verwandtschaft muss sich aber die Edelkastanie nicht schämen, denn beide Bäume sind nicht verwandt. Gehört die eine, die Edle, zu den Buchengewächsen (Fagaceae), so stammt die andere, die Gemeine, aus der Familie der Seifengewächse. Nützliches ist jedoch auch unter der harten Schale der braunen Gewöhnlichen verborgen, der Wirkstoff Aescin entfaltet eine stärkende Wirkung auf Blutgefäße und wird so bei verschiedensten Gefäßerkrankungen eingesetzt, und die Saponine, die Seifenstoffe, finden ihren Platz in Kosmetika und Waschmitteln. Vor allem aber berühren wir sie gern, die braunen Hand­schmeich­ler verführen zum Ergreifen und Umfassen, zum Spielen und Basteln und fördern so, ganz nebenbei, Geschicklichkeit und Beweglichkeit unserer Hände. In vielen Teilen der Welt mannigfaltig vertreten sind beide Bäume, sehr viel seltener kommen sie dagegen in Märchen vor. Im Märchen Vom tapferen Königssohn vertreten sie die Nuss, im japanischen Märchen Manzoro, der Matagi sind sie Nahrung und Objekt der Verführung und in Zwerg Nase (W. Hauff) werden einfach unterm Kastanienbaum die Kräuter gesammelt und die Liebe angebahnt. In Tirol aber erzählt man sich die Sagen vom Ketschmandl. Die stachlige Schale außen und der edle Kern innen machen die Kastanie zu einem Symbol für Tugend und Jungfräulichkeit, welche oft wehrhaft verteidigt werden müssen, aber auch für Stärke und den Sieg des Lebens über den Tod. Das so haltbar gespeicherte Nahrhafte der Frucht verbindet die Kastanie mit Vorsorge und Geduld. Wer aber im Schatten einer stolzen Kastanie sitzt, unterm breiten Blätterdach, dem wird Einlass gewährt in die geheimen Wünsche und die Grundsätze seiner Existenz.

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der neueste Band unser Märchenschätze ist da!

"Aller Anfang ist Sehnsucht" Märchen von der Sehnsucht

EMG Märchenschätze, Band 9

Wie oft ist die Sehnsucht Impulsgeber menschlichen Handels? Märchen aus aller Welt erzählen auf fesselnde Weise von diesem Verlangen, das uns Menschen zu ungeheuren Anstrengungen beflügelt.
Manchmal sind es Kleinigkeiten, die das Feuer in uns entfachen: der klang einer Stimme oder der Anblick eines Menschen; manchmal sind es aber auch existenbtielle Bedürfnisse, wie der Wunsch nach Gemeinschaft, nach Liebe oder nach einem besseren Leben. Solche Geschichten gehen buchstäblich unter die Haut.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Vom Geben und Vergeben im Alter. Kinder brauchen Märchen!

EMG Schriftenreihe, Band 39

Neue Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen, die bei dem Kongress in Bad Brückenau im Mai 2013 und der Fachtagung im Herbst 2013 in Mülheim referiert wurden, liegen uns in diesem Sammelband vor.
Ständig stellt das Leben an uns Menschen Aufgaben und fordert uns heraus. Bei der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen, hin zur Lebensmitte und weiter zum reigen Alter verändern sich Beziehungen, Besitzstände und die Sicht auf Werte, inbegriffen der Fokus auf das, was gerade am wichtigsten erscheint.
An den Übergängen, besonders zur letzten Lebensphase hin, tauchen Fragen auf: Wem will ich etwas von mir geben, wann und wie? In den Märchen versprechen die Könige dem Helden Königstochter und gar noch das halbe Reich. Wie aber geht es dann weiter mit den alten Königen? Es lohnt sich zu hören, was uns die Märchen zum Thema "Geben im Alter" erzählen, auch wie vormals mit Alter und den Alten umgegangen wurde.
Gleichzeitig interessiert, was die alten Mären heutigen Kindern zu geben vermögen. Was können Märchen in der erziehung der nachwachsenden Deneration leisten, wie nachhaltig ist ihr Einsatz? Und können Märchen helfen, zu Religiosität zu finden?
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox, Ricarda Lukas und Sabine Lutkat.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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