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Mutter, dass Kind ist ein Satan

Nur der jüngste Königssohn erkennt und beschreibt die wahre Natur seiner kleinen Schwester, die, tagsüber ein kleines, schutzbedürftiges Kind, nachts zu einer blutdurstigen Hexe, die mordet und vernichtet, wird. Eine Strigla oder Striga, so der Titel des Märchens, ist eine Hexe aus vorchristlicher, vor allem römischer Zeit.

„Die Strigla, das älteste Zauberweib/
Die Geistermutter mit ihrem Horne/
Susu, wie leise weht im Flug/
Heran der kreidebleiche Zug!“
schreibt Joseph Henne (Diviko und das Wunderhorn - ein deutsches Nationalgedicht, 1826). Der Glaube an magischen Praktiken, an Zauber und Hexerei war im römischen Reich weit verbreitet, dementsprechend gab es die vielfältigsten Formen und Bezeichnungen für die - vor allem weiblichen - der Hexerei Verdächtigten.
Neben den Lamaie (Tierverwandlung), den Venenatae (Giftmischen), Tempestarli (Wettermachen) wird natürlich auch die Striga als ein in Eulengestalt durch die Nacht fliegendes und Menschen das Blut aussaugendes Wesen beschrieben. Damit ist sie die direkte Vorfahrin der einige Jahrhunderte später auftretenden Vampire, die im Rumänischen als Strigoi bezeichnet werden. Sowohl Striga als auch auch Strigoi leiten ihren Namen von der Nachteule ab, der Strix, Begleiterin der Hexen und Dämonen auf ihren Flügen durch das Dunkle.
"Eine Nachteule mit glühenden Augen flog dreimal um sie herum und schrie dreimal schu, hu, hu, hu.“ heisst es in Jorinde und Joringel (KMH69). Wie die Hexe, die Erzzauberin im Grimmschen Märchen, nährt sich auch die Striga in dem griechischen Märchen von der Lebenskraft anderer Menschen und schafft sich damit eine Wechselexistenz im Grenzbereich zwischen Leben und Tod. Bezwingen und bewältigen kann sie, wer seinen Sinnen traut und sich auf die Richtigkeit seines Handelns verlässt. "Und sie rangen lange miteinander, bis er sie endlich erschlug, und der Prinz lebte von nun an allein."
Und warum sind es bevorzugt Frauen, denen das Hexische zugetraut und zugemutet wird? Dazu weiß Jakob Grimm (Deutsche Mythologie, 1835) etwas zu sagen: "Die empfängliche Phantasie der Frau, damit verbunden ihre Neigung zum Visionären, zum Wahrsagen, ihre angestammte Rolle bei der Bereitung von Heilmitteln, wozu sie mehr Muße hatten als die Männer ...“

Ricarda Lukas


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Der neueste Band unser Märchenschätze ist da!

"Da machte sie einen giftigen, giftigen Apfel" Böse Märchen

EMG Märchenschätze, Band 10

Märchen ohne das Böse? Undenkbar. Jeder Mensch, ob klein oder groß, liebt es, spannenden Geschichten zu lauschen. Das war früher so und es ist bis heute so - weil zu jedem Leben auch böse Erfahrungen gehören. Wenn die Märchenhelden und -heldinnen mit Bösem konfrontiert werden, sind sie unsere Stellvertreter und wir finden mit Ihnen einen Ausweg. Ist die Art wie Märchen vom Bösen erzählen zu grausam? Wie deuten und ordnen Märchen das Böse ein? Ergänzend zu dieser Sammlung von Märchen aus aller Welt zeigen uns einige Märchenkenner interessante Aspekte zu diesem Thema auf.

EMG Band 40

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Sehnsucht im Märchen.
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 40

Im September 2014 fand in Rheine zum Thema "Sehnsucht im Märchen" der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt.
Sehnsucht - ob im realen Leben oder in der Welt der Märchen - ist eine starke Triebfeder menschlichen Handelns und gibt daher oft den entscheidenden impuls für die gewaltigen Anstrengungen, die zur Bewältigung des Lebensweges notwendig sind. Darüber hinaus wohnen diesem schwer zu fassenden Begriff, der schon im Wort selbst den Bogen vom Sehnen zur Sucht schlägt, vielfältige Aspekte inne, denen die Referenten in ihren spannungsreichen Vorträgen nachgegangen sind. Diese Kongressbeiträge liegen nun in schriftlicher Form vor.
Welche Sehnsüchte müssen für ein glückliches Leben erfüllt sein? Wann schlägt Sehnsucht in Selbstsucht um? Was treibt uns mehr um: die Sehsucht nach der Heimat oder nach der Fremde oder sogar die Sehnsucht nach anderen, phantastischen Welten? Das sind nur einige der Fragen, die in den Aufsätzen ergründet werden. Dabei umfassen die Betrachtungen unterschiedliche Epochen und gewähren kenntnisreiche Einblicke in fremde Kulturen und benachbarte Disziplinen wie Literatur und Musik.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox, Christel und Thomas Bücksteeg.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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