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Das Grüne ist das Anfängliche, Ursprüngliche

Das erste Märchen des Jahres 2017 erscheint in doppelter Ausführung: zum Einen so, wie die Brüder Colshorn es 1854 in ihre Sammlung aufgenommenen haben. Die andere Variante hat Frau Kutter freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Ihre Fassung des Märchens bringt für mich die Kraft und Wirkung des Großmütterchen Immergrün, die Bedeutung des Grün für den Menschen deutlicher und klarer zum Ausdruck. Jedes neue Jahr beginnt ja, seit 153 v.u.Z., erst einmal mit dem Januar. Kälte, Wind, Eis, Schnee, schwarzgraue, blattlose Bäume und Sträucher bilden den Hintergrund für den ersten Monat. Unter den fahlen Farben des Januar, dem Weiß, Silber und Grau, liegt die Sehnsucht nach dem Grün. Grün leitet sich vom indogermanischen ghro - wachsen, sprießen - ab. Grün symbolisiert Wachstum und Anfang, wenn etwas grünt oder wächst, beginnt etwas Neues. Grün ist aber auch der Ursprung des Lebens, Grün ist die Vegetation der Erde. Alles Pflanzliche trägt diese Farbe und in ihr die Grundlagen alles Seins auf der Erde, Luft zum Atmen, Nahrung zum Wachsen und Gedeihen, Landschaften zum Gestalten, Bewohnen und Erleben. Großmütterchen Immergrün verkörpert diese grüne, sich stetig erneuernde Kraft der Erde, wie sie auch vom Großen Immergrün, einem Strauch, der Winter und Tod besiegen soll, symbolisiert wird. So bedeutet die Begegnung mit Großmütterchen Immergrün auch für die beiden Kinder im Märchen Wandel und Erneuerung. Aus einer Situation der Not, des Herzweh heraus, sind sie in das Holz, den kahlen Wald, geschickt worden. Dort aber bekommen sie vom Immergrün, die grüne Frau lässt sie mit den roten Beeren Nahrung und Heilung zu gleich finden - und dies sicher für Körper und Seele. "Als die Mutter die ersten Erdbeeren an die Lippen brachte, da war sie gesund." Der erste Schritt in das Jahr, in den eisigen Januar, ist gemacht - möge es ein grünendes und blühendes Jahr werden!

Ricarda Lukas


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Jubiläumsband unserer Märchenschätze ist da!

Das Gesicht der Völker

EMG Märchenschätze, Jubiläumsband

Im Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen können Märchen zum Nachdenken darüber anregen und Gemeinsamkeiten deutlich und erlebbar machen.
Für die Europäische Märchengesellschaft ist Völkerverständigung einer der wichtigsten Aspekte. Zu ihrem 60-jährigen Jubiläum legt sie nun diese Sammlung vor mit selten gehörten europäischen Märchen aus den ersten zwei Jahrzehnten der Gesellschaft.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Das Böse.
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 41

Im Mai 2015 fand in Binz (Prora) auf der Insel Rügen der jährliche Kongress der Europäischen Märchengesellschaft statt. Er widmete sich dem großen Thema "'Da macht sie einen giftigen, giftigen Apfel...'. Wie Märchen, Philosophie und Religion das Böse deuten".
Der Ort war bewußt gewählt, denn es ging bei der Beschäftigung mit dem Bösen durchaus nicht nur um einen akademischen Diskurs, sondern auch um konkrete Erfahrung der jüngsten deutschen Geschichte und unserer Gegenwart.
Märchen sind oft wegen ihrer angeblichen Neigung zur Gewalt gescholten worden. Aber Märchen erzählen vom Bösen, weil das Leben Böses bereithält. Und wie Religion und Philosophie bieten Märchen Deutungen und stellen Lösungsmodelle vor.
In den Beiträgen der Märchenforscher gerade zu diesem Thema wurde deutlich, welche Ressourcen die Märchen bereithalten. Menschen wollen vom Bösen erzählen - um vorbereitet zu sein, um Gespenstern Namen geben zu können, um Strategien für den Kampf gegen das Böse zu entwickeln, um sich ihrer Entscheidung für das Gute zu vergewissern. Deshalb sind Märchen immer schon und immer noch ausgezeichnet für die Auseinandersetzung mit dem Bösen geeignet.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Angelika B. Hirsch.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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