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Die jüngste Tochter war ihm lieb wie seine Seele

Das Märchen mit dem seltsamen Titel Vom klinkesklanken Lowesblatt stammt aus einer Sammlung, die Theodor Colshorn gemeinsam mit seinem älteren Bruder Karl 1854 unter dem Titel Märchen und Sagen aus Hannover heraus gab. Ebenfalls in dieser Sammlung befindet sich das Märchen Der verwunschene Frosch, welches im März vorgestellt wurde. Das Frosch - Märchen zeigt eine klare und verständliche Struktur, die schöne Jüngste, liebste Tochter des Vaters und damit wohl nicht auf Gold und Seide angewiesen, wünscht sich eine Rose. Was könnte passender für die Schönste des Hauses sein als die Schönste der Blumen? Und ebenso selbstverständlich erscheint, dass sie auf die Probe gestellt wird, sich bewähren muss, dem ganz Gegensätzlichen, dem Hässlichen, begegnet, es annehmen und lieben lernt. Am Ende steht folgerichtig die Hochzeit, mit dieser endet auch das Märchen Vom klinkesklanken Lowesblatt, der Weg dahin gestaltet sich aber wesentlich verwickelter. Dies beginnt bereits mit dem Wunsch. Ungewöhnlich sind sie, die Wünsche der jüngsten Töchter, eine Rose, eine Traube, ein Reis, jetzt wirkt er spielerisch und phantasievoll - ein klinkesklanken Lowesblatt soll der Vater bringen – was ist das? Die Suche nach dem diesem Ding, welches in der realen Welt nicht, in der von Vater und Tochter offensichtlich aber schon existiert, führt zu einem großen schwarzen Pudel. Ebenso zwiespältig wie die Rolle des Hundes als treuer Begleiter der Götter und Menschen, als Wächter der Schwellen, aber auch als Führer in und Geschöpf der Unterwelt entlang der Kulturgeschichte der Menschheit ist, so ist sie dies auch in dem Märchen. Unwirsch kann er sein, gräulich und toll, sogar „hentildenschen“, er zeigt sich aber auch sanft und liebkosend. Dem jungen Mädchen als Reittier dienend führt er sie aus der heimatlichen, diesseitigen in eine verwunschene, jenseitige Welt, deren Grenze die großen Birke, unter der viele Gänseblumen ihre weißen Köpfchen aus schönem Grase hervor streckten und unter der kein Mensch lügen konnte, zu sein scheint - vielleicht ist es sogar die Birke, von der das seltsame Lowesblatt stammt. Erst beim dritten Mal gelingt der Übergang und dann geht es zunächst nicht um liebgewinnen, sondern um Hinhören, Standhalten und zu seinem Wort stehen. Als dies kann die Schöne und so geschah ein ungeheurer Knall, als ob der Himmel berste und die Hölle dazu. Vermutlich sind die eine und die andere Welt zusammen gestoßen, zusammen gekommen und ebenso sind dies Königstochter und Königssohn und nun gibt es endlich die Hochzeit.

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der neueste Band unser Märchenschätze ist da!

"Aller Anfang ist Sehnsucht" Märchen von der Sehnsucht

EMG Märchenschätze, Band 9

Wie oft ist die Sehnsucht Impulsgeber menschlichen Handels? Märchen aus aller Welt erzählen auf fesselnde Weise von diesem Verlangen, das uns Menschen zu ungeheuren Anstrengungen beflügelt.
Manchmal sind es Kleinigkeiten, die das Feuer in uns entfachen: der klang einer Stimme oder der Anblick eines Menschen; manchmal sind es aber auch existenbtielle Bedürfnisse, wie der Wunsch nach Gemeinschaft, nach Liebe oder nach einem besseren Leben. Solche Geschichten gehen buchstäblich unter die Haut.

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Vom Geben und Vergeben im Alter. Kinder brauchen Märchen!

EMG Schriftenreihe, Band 39

Neue Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen, die bei dem Kongress in Bad Brückenau im Mai 2013 und der Fachtagung im Herbst 2013 in Mülheim referiert wurden, liegen uns in diesem Sammelband vor.
Ständig stellt das Leben an uns Menschen Aufgaben und fordert uns heraus. Bei der Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen, hin zur Lebensmitte und weiter zum reigen Alter verändern sich Beziehungen, Besitzstände und die Sicht auf Werte, inbegriffen der Fokus auf das, was gerade am wichtigsten erscheint.
An den Übergängen, besonders zur letzten Lebensphase hin, tauchen Fragen auf: Wem will ich etwas von mir geben, wann und wie? In den Märchen versprechen die Könige dem Helden Königstochter und gar noch das halbe Reich. Wie aber geht es dann weiter mit den alten Königen? Es lohnt sich zu hören, was uns die Märchen zum Thema "Geben im Alter" erzählen, auch wie vormals mit Alter und den Alten umgegangen wurde.
Gleichzeitig interessiert, was die alten Mären heutigen Kindern zu geben vermögen. Was können Märchen in der erziehung der nachwachsenden Deneration leisten, wie nachhaltig ist ihr Einsatz? Und können Märchen helfen, zu Religiosität zu finden?
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox, Ricarda Lukas und Sabine Lutkat.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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