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Schwarzweiß

„Die Mittlere bewirkt, dass die Hälfte des Unheils zugelassen und die andere Hälfte abgewendet wurde.“ Das Schweizer Märchen von den drei Schwestern bringt alle Dinge in einer unnachahmlichen knappen und gleichzeitig erstaunlich aussagekräftigen Art und Weise auf dem Punkt. Ein Mädchen ist schneeweiß, schön und gut, das andere Mädchen ein böse, schwarze Hexe. Sie stellen das schon bekannte Gegensatzpaar dar, Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Tag und Nacht, die Eine baut auf und die Andere zerstört, so, wie auch das Brüderpaar im nordamerikanischen Märchen Der Gute und der Böse. „Gut und Böse sind Zwillinge, Kinder einer Mutter, und jedes von ihnen hat seinen Platz in der Welt.“ hieß es da und aus der Spannung zwischen diesen beiden Polen entwickelt und entfaltet sich die lebendige Welt. In dem Schweizer Märchen gibt es aber noch eine dritte Schwester, eine, die halb weiß und halb schwarz ist. Sie ist die Brücke zwischen der Welt der Dunklen und der Hellen, die Mittlerin zwischen den beiden gegenläufigen Prinzipen. Diese stehen sowohl in den nordamerikanischen wie auch in zahlreichen europäischen Märchen dual und oft auch unversöhnlich gegenüber, ihre Beziehung mündet häufig in einen Kampf, den Sieg des einen über das andere Prinzip. Selten aber ist es so wie in dem vorliegenden Märchen, und dies macht es auch bemerkenswert, dass beide Prinzipien als Bestandteil von Natur und menschlicher Welt nebeneinander stehen und gleichzeitig durch ein drittes, vermittelndes Prinzip verbunden und ausgeglichen werden. Vielleicht kann die dritte Schwester als die innere Erkenntnis und Annahme der untrennbaren Verbundenheit beider Anteile verstanden werden. Auf jeden Fall nutzt die dritte Schwester ihr schwarzweiße, integrative Fähigkeit gut und scheidet mit ihrer Hilfe klug das Eine vom Anderen. „die Eigennützigen werden die schönen giftigen essen und sterben; die Bescheidenen hingegen die braunen, und ihnen wird nichts geschehen; so geht es halb und halb wie immer.“

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Band 12 unserer Märchenschätze ist da!

Vom Vergessen und Erinnern

EMG Märchenschätze

Märchen erzählen von grundlegenden menschlichen Erfahrungen, und da wir täglich mit Vergessen und Erinnern konfrontiert sind, finden sich diese Themen auch in vielen Märchen wieder. Wieso vergessen wir etwas, sogar wenn es wesentlich ist? Was führt dazu, dass wir uns wieder erinnern? Wie gehen wir mit dem Vergessen von Wesentlichem um? Und wie erinnern wir uns an das, was wir nicht vergessen dürfen?

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Macht und Ohnmacht
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 42

Der Jahreskongress der Europäischen Märchengesellschaft e.V. fand 2016 in Würzburg in Zusammenarbeit mit der Domschule Würzburg, Akademie des Bistums, zu dem Thema "Macht und Ohnmacht - Erfahrungen im Märchen und im Leben" statt. In diesem Band sind die Vorträge des Kongresses versammelt.
Was ist Macht, was macht Macht mit uns? Wie sieht es mit der Ohnmacht aus? Ist sie das Gegenteil von Macht, was macht sie mit uns und wie kommen wir aus Ohnmachtserfahrungen wieder heraus? Fragen, die unter anderem in den Referaten erörtert werden. Macht- und Ohnmachtserfahrungen sind ständige Begleiter in unserem Leben, in wichtigen Momenten ebenso wie im Alltäglichen, sowohl auf persönlicher und individueller als auch auf gesellschaftlicher und sozialer Ebene. Erfahrungen von Ohnmacht und Macht hat jeder, und zwar in beiden Bereichen. Weil diese so selbstverständlich zu unserem Leben gehören, spiegeln sie sich auch in den Volksmärchen wider. Gerade mit ihren Bildern und Symbolen greifen Märchen die grundsätzlichen menschlichen Erfahrungen auf, so können sie angeschaut und gedeutet werden. Märchen können helfen, eigene Erfahrungen einzuordnen.
Ein Achtergewicht bildet der Aufsatz über Max Lüthi, der vor 25 Jahren verstorben ist.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Sabine Lutkat.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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