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Und gebar zwei Knaben mit einem Stern auf der Stirn ...

Das griechische Märchen Die Zwillingsbrüder erzählt von der besonderen Verbundenheit, der intensiven, oft beinah übermenschlich anmutenden Wahrnehmung der Zwillinge füreinander. Die Brüder im Märchen ziehen, erwachsen geworden, hinaus in die Welt, welche sie erkunden und erobern wollen. An einer Kreuzung, welche ja immer auch ein Symbol für eine Entscheidungssituation ist, stellen sie fest, dass ihre Wanderung nun in verschiedene Richtungen geht. Der Eine reitet nach rechts, der Andere nach links. Vermutlich ist es das erste Mal, dass ihre Wege sich trennen, ist die enge Verbundenheit, das durchgängige Auftreten als Zweiheit doch geradezu ein Merkmal von Zwillingen. Dies beginnt schon vor der Geburt, in der Zeit, die der werdende Mensch verborgen und abgeschirmt von anderen Menschen verbringt, spürt der Zwilling bereits die Nähe, den Herzschlag des Anderen, dem er ganz nah sein kann, mit dem er sich aber auch auseinandersetzen muss, um Raum, um Luft, um Nahrung. Bereits hier beginnt die tiefe seelische Bindung, welche Zwillinge zueinander haben, und die sie befähigt, genau wahrzunehmen, wie es dem Anderen geht, was er fühlt, denkt, will. Dieses innere Band hält oft ein Leben lang und so ist es nicht verwunderlich, wenn das Märchen davon erzählt, dass der eine Zwilling sofort und intensiv spürt, dass dem anderen Zwilling Leid geschehen ist. Er sucht ihn und findet ihn versteinert, in einem leblosen Zustand, er selber aber ist voller Lebendigkeit und Kraft. Es ist ein ungleicher, disharmonischer Zustand, in dem die beiden Brüder sich befinden und der oft so auch im wirklichen Leben zu finden ist. Der Eine entwickelt sich kraftvoll ins Leben hinein, unter Umständen sogar auf Kosten des Anderen, dieser aber bleibt zurück, verschwindet vielleicht ganz, dem Anderen das ganze Lebensfeld, überlassend, aber auch eine Lücke verursachend. Zwillinge symbolisieren jedoch auch eine Einheit, sind sie doch Teile eines ursprünglich Ganzen, welches, geteilt, immer wieder eine sinnvolle Balance zwischen den nun Zweien herstellen muss. Dies erspürt sehr fein auch der lebendige Zwilling im Märchen, er schlug den rechten Weg ein, tat das Rechte und Richtige und gab so seinem versteinerten Bruder das Leben zurück.

Und darauf gingen die zwei Brüder nach Hause...

(Ricarda Lukas)


Wussten Sie, dass Märchen so spannend sein können? Sie erzählen davon, wie Menschen die ihnen vertraute Welt verlassen (müssen), wie sie dabei in Gefahren geraten oder in die Anderswelt, Proben bestehen und Aufgaben lösen müssen - genau wie im Leben. Wie in einem Spiegel zeigen uns die Märchen, was uns bewegt - und manchmal zeigen sie uns mehr als das, zeigen neue Möglichkeiten und Erfahrungen.

In der Europäischen Märchengesellschaft haben sich Wissenschaftler/innen und Erzähler/innen, vor allem aber Märchenliebhaber/innen zusammengefunden, die die Freude an den Märchen miteinander teilen, die Freude an ihrer bleibenden Schönheit, Weisheit und Wahrheit. Aber wir wollen diesen märchenhaften Schatz auch an andere weitergeben. Denn mit und in den Märchen, diesen Spiegelbildern der menschlichen Seele, können wir uns wieder finden. Und weil Märchen ein gemeinsames Kulturerbe aller Völker der Erde sind, können wir mit Märchen auch zusammenfinden, über alle Grenzen hinweg.

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Neue Veröffentlichungen

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Der Band 12 unserer Märchenschätze ist da!

Vom Vergessen und Erinnern

EMG Märchenschätze

Märchen erzählen von grundlegenden menschlichen Erfahrungen, und da wir täglich mit Vergessen und Erinnern konfrontiert sind, finden sich diese Themen auch in vielen Märchen wieder. Wieso vergessen wir etwas, sogar wenn es wesentlich ist? Was führt dazu, dass wir uns wieder erinnern? Wie gehen wir mit dem Vergessen von Wesentlichem um? Und wie erinnern wir uns an das, was wir nicht vergessen dürfen?

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Der neueste Band unserer Schriftenreihe ist da!

Macht und Ohnmacht
Forschungsbeiträge aus der Welt der Märchen

EMG Schriftenreihe, Band 42

Der Jahreskongress der Europäischen Märchengesellschaft e.V. fand 2016 in Würzburg in Zusammenarbeit mit der Domschule Würzburg, Akademie des Bistums, zu dem Thema "Macht und Ohnmacht - Erfahrungen im Märchen und im Leben" statt. In diesem Band sind die Vorträge des Kongresses versammelt.
Was ist Macht, was macht Macht mit uns? Wie sieht es mit der Ohnmacht aus? Ist sie das Gegenteil von Macht, was macht sie mit uns und wie kommen wir aus Ohnmachtserfahrungen wieder heraus? Fragen, die unter anderem in den Referaten erörtert werden. Macht- und Ohnmachtserfahrungen sind ständige Begleiter in unserem Leben, in wichtigen Momenten ebenso wie im Alltäglichen, sowohl auf persönlicher und individueller als auch auf gesellschaftlicher und sozialer Ebene. Erfahrungen von Ohnmacht und Macht hat jeder, und zwar in beiden Bereichen. Weil diese so selbstverständlich zu unserem Leben gehören, spiegeln sie sich auch in den Volksmärchen wider. Gerade mit ihren Bildern und Symbolen greifen Märchen die grundsätzlichen menschlichen Erfahrungen auf, so können sie angeschaut und gedeutet werden. Märchen können helfen, eigene Erfahrungen einzuordnen.
Ein Achtergewicht bildet der Aufsatz über Max Lüthi, der vor 25 Jahren verstorben ist.
Herausgegeben im Auftrag der Europäischen Märchengesellschaft von Harlinda Lox und Sabine Lutkat.

Zu weiteren Informationen nutzen Sie bitte die obere Informationsleiste. Sie können aber auch postalisch mit uns in Kontakt treten:

Europäische Märchengesellschaft
Nordflügel Kloster/Schloß Bentlage
Bentlager Weg 130
48432 Rheine

Tel: 05971 918-420
Fax 05971 918-429
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